Montag, 15. Februar 2010

Christiania, Oper, Malmö und was sonst noch so war

Ich hoffe ihr hattet alle eine schöne Weihnachtszeit, viel Spaß an Silvester und einen guten Start ins Jahr 2010.

Es ist in der Zwischenzeit schon wieder so viel passiert…Aber der Reihe nach.

Weihnachten war ich in Husby. Es war eine wirklich schöne Woche mit viel Familie und Freunden. Ein Highlight war sicherlich auch der Ausritt zwischen den Tagen. Die Woche ging jedoch viel zu schnell um und am 30. bin ich mit Benny auch schon wieder nach Kopenhagen gefahren. Dort habe ich mit ihm und den meisten Freiwilligen ein kaltes aber schönes Silvester erlebt.

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Als ich dann nach meinem langen Urlaub wieder angefangen habe zu arbeiten, habe ich mich sehr gefreut Tove und viele der anderen Bewohner wieder zu sehen. Doch nach zwei Wochen im „Verahus“ hatte ich zwei Wochen Seminar.


Mein erstes Seminar war vom EVS (european volontary service - in DK aus organisiert). Zu den Highlights gehörte mit Sicherheit die Führung durch Christiania von einem Gründungsmitglied. Ein sehr beeindruckender Kerl, der in seinem Leben wohl leider etwas viel gekifft hat. Wir haben viel erfahren über Polizeieinsätze, Abfallentsorgung, Finanzierung, Gesundheit, Bildung, Armut, Drogen, den Umgang mit der Natur und die Grundgedanken des Freistaates. Eine solche Führung ist jedem Besucher Kopenhagens nur zu empfehlen.

Sonst wurde, wie auf jedem Seminar über persönliche Herausforderungen und Probleme gesprochen.

Auf meinem Zweiten Seminar von der Diakonie aus lag der Schwerpunkt auf Religion und Glauben, aber es wurde uns mal wieder viel geboten, was nicht mit Kirche im strengen Sinne zu tun hat. Angefangen über Eislaufen, bis hin zu tollen Gastrednern, die uns über Werte, Abhängigkeiten, Alkoholismus und vieles andere Informiert haben, Erste Hilfe Kurse, bis hin zu einem Besuch in der Kopenhagener Oper. Gespielt wurde „Carmen“- eine französische Oper mit dänischen Untertiteln.

In der Zeit meiner Seminare war Tove (Bewohnerin des Verahus) mit einem Pfleger in Thailand. Die Fotos sind mal wieder wahnsinnig schön. Tove im Pool, Tove beim Cocktail trinken, Tove auf einem Elefanten reitend…

Die Arbeit bringt viel Routine mit sich, macht aber Spaß und ich habe das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun. Das erleichtert einiges.

Neben der Teilnahme an einem „Listening-Circle“ (bei Interesse gerne nachfragen, und ja es ist ziemlich verrückt), einem Besuch von Benny, einem Cocktailabend und vielen gemütlichen Hygge-Abenden mit Nathalie ist nicht viel passiert.

Nur der gestrige Tag hat diesen winterlichen Trott unterbrochen und zwar mit einer Tour nach Malmö!

Der Plan lautete: am Samstag pünktlich um elf fahren Nina, Moritz, Nils, Simone (eine Freiwillige aus Fynen von einer anderen Organisation) und ich mit Ninas altem Mazda nach Malmö. Doch das ganze Unterfangen drohte nicht nur an der Unpünktlichkeit einiger Teilnehmer, sondern auch an Ninas Auto zu scheitern. Es sprang einfach nicht an. Selbst mit Überbrückungshilfe und jeder Menge Anfeuerungen schaffte er es nicht.

So fuhren wir zum Bahnhof, kauften schnell die Tickets und saßen drei Minuten später im Zug nach Malmö. Weitere 30 Minuten später standen wir alle auf schwedischem Boden. Wir hatten es geschafft ;-)

Der Tag sollte trotz des ungelungenen Starts zu einem vollen Erfolg werden.

Für alle unwissenden noch einige Infos: Malmö ist mit seinen 250.000 Einwohnern nach Stockholm und Göteborg die drittgrößte Stadt Schwedens. (Zum Vergleich: Kopenhagen hat 1,6 Mio Einwohner.)

Wir begannen unsere Stadttour mit dem Besuch der St. Petri Kyrka. Eine wirklich hübsche Kirche mit sonderbar vielen deutschsprachigen Tafeln an den Wänden.

Weiter wanderten wir durch die Stadt und kamen so gleich in die Altstadt Malmös. Doch bevor wir uns richtig umsehen konnten, meldete sich der Hunger und wir gingen zu einem Italiener, wo man schon mal in Schweden ist ;-). Das Essen war aber lecker und wir genossen es mal nicht selber kochen zu müssen. Nach unserem ausgiebigen Mahl machten wir uns wieder auf den Weg. Wir bewunderten alte Fachwerkhäuser und die Gemütlichkeit und Ruhe dieser Stadt. Dann ging es in ein Shoppingcenter und ich kaufte mir gleich spontan ein Paar Schuhe. Moritz fand eine Jeans und der Rest staunte nur über die im Vergleich zu Kopenhagen so günstigen Preise. Bei Vero Moda kostete eine Jeans 500 dänische oder 500 schwedische Kronen. Die dänische Krone wechselt sich 1:7,5, die schwedische 1:10. Sprich in Dänemark würde die Jeans fast 70 und in Schweden nur 50 € kosten. Auf Grund der schwachen schwedischen Krone leben überdurchschnittlich viele Dänen in Malmö, arbeiten aber in Kopenhagen. Wer einen ausländischen Partner hat, den zieht es, auf Grund der im Vergleich zu Dänemark liberalen Einwanderungspolitik Schwedens, nach Malmö.

Zurück zu unserem Städtetrip. Zwischendurch hatten wir uns mit Kaffe und Muffin wieder gestärkt. Wir werden immer Dänischer. Kein Tag ohne Kaffe!

Und dann wurden wir Zeuge einer komischen Situation.

Scientology warb mit einem kostenlosen Stresstest. Warum sich nicht mal anhören, was die Pappnasen zu sagen haben? Die ganze Aktion war dann doch erschreckender als gedacht. Eine deutschsprachige junge Frau teste erst mich- ohne Erfolg. Ich scheine wohl kein Stressmensch zu sein :D und dann Moritz, bei dem es genauso wenig klappte. Und dann fingen Moritz und ich an mit ihr über die Ideen von Gemeinschaft und Lösungen von Problemen zu diskutieren. Und sie fing uns schnell an leid zu tun, da sie es nie schaffte auf unsere Argumente einzugehen oder Fragen von uns ausreichend zu beantworten. Das schlimmste war jedoch, das sie erst 16 war und seit einem Jahr in Kopenhagen wohnt. Sprich Schule geschmissen und in ein anderes Land um dann auf der Straße zu sitzen und Scientology zu unterstützen. Zum Abschied haben wir ihr noch Gottessegen und alles Gute gewünscht. Hoffen wir mal es hilft!

Am Ende des Abends landeten wir in einer sehr gemütlichen Bar mit dem Namen „Moose - Club“- sehr passend! Unsere letzten Kronen wurden gezählt und es reichte für drei Cocktails und zwei Gläser Wein. Also wurde bestellt und genossen J Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass wir draußen saßen und von oben und links und rechts und überall große Heizstrahler für eine angenehme Wärme sorgten. Es war also super hyggelig. Ans Klima haben wir da einfach mal kurz nicht gedacht…

Alles in allem war der Tag einfach richtig cool. Wir waren alle in Urlaubsstimmung und haben Schweden sehr genossen. Als wir gegen halb zwölf zurück in „good old danmark“ waren freuten wir uns, die Menschen wieder halbwegs verstehen zu können und endlich in unsere warmen Betten zu steigen.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Hopenhagen


Also…wo fange ich an? Am besten bei der Demo.
Ihr wisst über die Fakten der Demo sicher besser bescheid als ich. Die dänische Zeitung ist doch schwer zu verstehen und sämtliche Internetseiten widersprechen sich. Aber es war der Hammer!
Mama war zu besuch und wir sind mit Martin und Nils am Samstagmorgen losgezogen. Erster Anlaufpunkt: die Kirche. Um bummelig halb eins waren wir mit Buttons und Schildern ausgerüstet. Wir hörten verschiedene Kirchenvertreter sprechen und fingen an zu frieren. Um kurz nach eins zogen wir los Richtung Christiansborg –Treffpunkt für Alle. Hier gab es die lustigsten Gestallten zu sehen. Jung und alt. Öko und Sportler, bunt und schwarz Gekleidete… Am aller besten gefiel mir ein selbst gebasteltes Transparent: „Gi’ os hvid jul!“ (gib uns weiße Weihnacht). Gegen halb drei setzten wir uns dann in Bewegung. Und es war kalt! Die Sonne schien, aber nicht auf uns. Die Demo selbst verlief zumindest für uns fünf ohne größere Zwischenfälle. Abgesehen davon, dass Martin sich seine Lippe aufgeschlagen hat (er ist gestolpert und gegen sein Schild gefallen) und wir plötzlich mitten im schwarzen Block standen. Erst wurde es hinter uns schwarz, dann links und dann überall. Aber dank schnellem Schritt wurde dieses Problem dann auch gelöst. Puh ha! Nach einiger Zeit haben Martin und ich uns an den Rand der Demo begeben um so durch die verschiedenen Blocks zu gehen. Wir haben natürlich nur einen winzigen Teil geschafft, aber dieser Teil war zu 80% sozialistisch. Die Leute warben für einen „System Change!“ und vertrieben WWF- Transparente aus ihrem Block. Ich dachte wir demonstrieren zusammen, zumindest halbwegs. Aber naja.
Von dem völlig inakzeptablen Verhalten der Polizei, haben wir nichts mitbekommen. Doch die Nervosität war auf beiden Seiten deutlich zu spüren.
Und so war an COP 15 wenigstens die Demo ein kleiner Erfolg. Was für eine Schande!



Klimamødet

Da es schon wieder ein bisschen her ist, dass ich geschrieben habe, kommt neben dem aktuellsten Ereignis - der Klimakonferenz - auch noch ein kleiner Überblick.

Was ist den letzten Monat passiert?
So einiges. Aber ich beschränke mich mal auf das wesentliche.
Wir hatten einen Wasserrohrbruch!
Um halb zwölf (nachts) bin ich dank des Lärmes auf dem Flur aus meinem Zimmer gekrochen und hörte auch schon das Wasser rauschen.
Das komplette Wohnzimmer stand unter Wasser. Es gab keinen Strom(Licht, Kühlschränke, Gefriertruhe…) Unser Tutor war nicht zu erreichen. Und so mussten wir mit Eimern versuchen das schlimmste zu verhindern. Es hieß, ein Mann sei unterwegs und stellt das Wasser ab. So vergingen ungefähr zwei Stunden, bis… der Feueralarm losging. Da das Wasser, das durch die Decke kam heiß war, ist dank des Dunstes der Rauchmelder losgegangen. Zwei Minuten später kamen dann drei voll besetzte Feuerwehrautos auf den Hof gefahren. Flott, flott :-) Ein netter Herr von der Feuerwehr teilte uns mit, dass wir froh sein können, dass es nicht brennt, er aber nichts tun könne. Schade. Also hieß es weiter warten. Wir machten es uns bei Bier und Kerzen gemütlich und das Wasser hörte gegen drei auf zu laufen.
Jetzt steht ein riesiger und dementsprechend lauter Fön in unserem Wohnzimmer, der wohl versucht die Wände zu trocknen. Genaueres wissen wir jedoch nicht. Sagt ja keiner was. Zum Glück sind die restlichen Zimmer trocken geblieben und anfängliche Gerüchte „Wir müssen ausziehen“ haben sich bis jetzt nicht bestätigt. Der Strom kam schon am nächsten morgen wieder.

Ich war auf einem „julefrokost“ (jul= Weihnachten; frokost= Mittag).
So wird das Weihnachtsfest dänischer Firmen genannt. Gefeiert wird mit mehreren Firmen zusammen in einem großen Saal (ungefähr 300 Personen). Obwohl sich das ganze Frokost nennt, ist es eine Abendveranstaltung. Erst wird gegessen, Unmengen an Fisch und Fleisch und dann gesoffen. Julebryg ist, zumindest für den Anfang das gängigste - starkes Weihnachtsbier. Aber schon bevor dieses in Maßen geflossen ist, tanzte die hälfte der Anwesenden auf ihren Stühlen. Einige Mutige wagen sich sogar auf die Tische. Dabei wird viel Haut gezeigt, die man eigentlich lieber nicht sehen möchte. Und so geht es dann weiter. Schrumpelige alte Dänen grölen zu mir völlig unbekannten dänischen Liedern, torkeln im Takt und trinken und trinken und trinken…

Ich habe meinen Sprachtest bestanden! Juhu! Es ist zwar nur das erste Modul, aber immerhin
:-) Det er sa dejligt!


Ich war auf einem schwedischen Weihnachtsmarkt. Der war aber hier in Kopenhagen. Die Veranstalter liefen alle in alten Trachten rum und es gab Essen wie bei IKEA. Sehr lohnenswert!

Dienstag, 17. November 2009

Das "Superwahljahr" totusindogni

Puh hå, wie der Däne zu sagen pflegt.
Gerade bin ich von meiner ersten und wahrscheinlich auch letzten Wahl in Dänemark zurückgekehrt. Was für ein Erlebnis. Nachdem die große Mehrheit der Freiwilligen es nicht für nötig hielt wählen zu gehen („ich kenn die Leute nicht“, „in Ungarn haben wir ganz andere Parteien“, „besser Keinen wählen als den Falschen“…), bin ich mit Kamilla, der einzigen Dänin im Haus zum Rådhus gefahren.
Tja, und dann ging alles ganz schnell. Ich musste meine Wahlkarte abgeben, die schwierige Frage, ob ich Wiebeke Schümann sei (ich hab dann nicht weiter diskutiert- war das jetzt Wahlbetrug?) beantworten und dann bekam ich auch schon meine zwei riesigen Stimmzettel. Es handelt sich bei dieser Wahl um eine Kommunal und eine Regionalwahl, ich bekomme also einen gelben halben Meter langen Zettel und ein ähnliches Exemplar in weiß. Nachdem eine der Wahlboxen frei geworden ist, bin ich so gleich zur Tat geschritten. Gar nicht so einfach, denn die Dänen haben keine Felder in die man sein Kreuz setzt, man setzt es einfach so irgendwo hinter den Namen oder die Partei. Aber was kommt dann? Ich verlasse meine Wahlkabine mit den gefühlten fünfeinhalb Quadratmetern Papier, die Versuche sie in der Kabine zu falten waren zwecklos. Es fehlte der Platz. Die Tapeten werden also nun in eine der Pappboxen, die mit Panzertape zusammen geklebt worden sind, gestopft.
Wählen ohne Personalausweis…
Die Stimmzettel in zu groß gewordene Schuhkartons, die mit Tape zugeklebt worden sind stecken…
Hoffentlich geht das gut.
Ach…was ich vielleicht noch erwähnen sollte. Wer in Dänemark zum Beispiel die Venstre (=links) Parti wählt, unterstützt eine rechtsliberale Partei. Also die Namen sind hier nicht unbedingt Programm.
Die eigenständige Kommune Frederiksberg in der ich wohne wird übrigens seit fast hundert Jahren von den Konservativen regiert (wie meine dänische Mitbewohnerin mir noch mitteilte). Ich hab lieber noch mal auf die „Wahlurne“ geklopft, vielleicht kam vor mir nur noch nie jemand auf die Idee. Es klang etwas dumpf…
Nun gut. Ich werde mich jetzt weiter freuen. Wahlen lösen immer ein so schönes Gefühl bei mir aus. Teilhabe am politischen Leben, das Gefühl wirklich etwas entscheiden/verändern/wählen zu können. Ja ich weiß es ist sehr idealistisch und illusorisch, aber last mir doch die Freude. Und wenn diese Wahl mir nur eine Stunde Freude und eine einmalige Erfahrung beschert hat- ist das nichts?

Mittwoch, 4. November 2009

Ja, ich bin noch da

Nachdem ich fast einen Monat nichts geschrieben habe [woran mich einige mehr oder weniger freundlich erinnert haben ;-) ], kommt jetzt eine Zusammenfassung aus den vergangenen vier Wochen.

Ich hatte meinen ersten Urlaub, den ich in Praesto verbracht habe. Ein wunderschönes Ferienhaus mit Mama, Papa, Nane, Sven und einer herrlichen Sauna. Es war wirklich schön euch alle mal wieder zu sehen. Mir haben die Kabbeleien um das abendliche Fernsehprogramm gefehlt. Was für eine Sensation, wo ja im Ferienhaus auch die Privatsender dazugekommen sind ;-) Der Strand direkt vor der Tür, schöne Spaziergänge, Kreidefelsen, Bücher, gutes Essen (nicht, dass mein Essen nicht gut ist, aber eben nicht so gut) - was braucht man mehr?
Nach diesem schönen Kurztrip kam dann endlich Benny! Und als die vorhin genannte Truppe mich dann in meinem Zimmer in Kopenhagen besuchte, war mein Glück perfekt. Die Gestaltung des Tages war jedoch etwas schwieriger. Wollte die eine Gruppe gleich die Stroget stürmen, schleppte Papa uns ganz geschickt zu allen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat. „Liegt ja fast auf dem Weg!“. „Das muss man gesehen haben!“. „Wo wir schon mal hier sind!“. „Also ich geh da jetzt rein!“. Aber ich muss zugeben, jeder Meter Fußmarsch hat sich gelohnt. Ein rundum gelungener Tag.
Aber kein Besuch bleibt ewig. Und so begann ich mich wieder alleine in meinen vier Wänden zurechtzufinden.
Mein bisher eigentlich größtes Problem: die Kälte! Darüber, dass ich mich noch den ganzen November auf meinem Fahrrad (ohne Gangschaltung, aber zum Glück wieder mit Bremsen) zur Arbeit quälen muss, beschwere ich mich gar nicht. Gut, es ist nicht schön klitschnass zur Arbeit zu kommen. Ach und dieser Moment, indem man sich auf den nassen Fahrradsattel setzt…Naja ich denke der ist allen bekannt. Aber wenn ich dann nach all den Strapazen von einem langen Arbeitstag „nach Hause“ komme, ist mein Zimmer kalt. Nein, es ist nicht kalt, es ist sau kalt, schweine kalt! Die Miniheizung in meinem Zimmer läuft den ganzen Tag, sie versucht sicher ihr bestes. Aber selbst auf höchster Stufe ist das Zimmer nach der Arbeit kalt. Tja und mein Zimmer ist im Gegensatz zu dem Duschraum, der Toilette und dem Flur eine Sauna. Die Fenster, die sich in diesen Räumen überhaupt schließen lassen, sind beschädigt und einwandig. Sie schließen selbstverständlich auch nicht komplett. Zumindest haben wir immer frische Luft. Also, der Winter kann kommen. Ich fürchte mich vor keiner Gefahr des Großstadtlebens, da ich, wenn, sowieso an einem Kältetod sterben werde.
Kommen wir nun zu Problem zwei: der Dunkelheit. Wenn ich zur Arbeit fahre ist es dunkel und wenn ich wiederkomme ist es fast dunkel. Also werde ich mich die nächsten Monate mit meiner Zimmerlampe begnügen. Meine dänische Mitbewohnerin hat sich eine elektrische Sonne für jede Menge Kronen gekauft. Kluges Mädchen, sie wusste was kommt. Jetzt denkt ihr vielleicht, dass Kopenhagen nicht der Nordpol ist und Flensburg nicht der Äquator, stimmt! Aber es ist eben etwas anderes, wenn man alleine in seinem kalten und dunklen Zimmer sitzt…
Bitte stellt euch jetzt nicht vor ich säße den ganzen Tag in meinem Zimmer. Ich wohne immerhin mit 10 anderen Freiwilligen auf einem Flur. Aber irgendwie kriechen die erst gegen Abend aus ihren Zimmern und man trifft sich in der für uns alle viel zu kleinen Küche.
Was war so los, neben den Skinergade-Abenden…
Vorletztes Wochenende war ich auf einem Rap-Contest. Es wurden die Rapkings gesucht. Ein Erlebnis, was mich für immer mit Martin und Simon (dem neuen französichen Freiwilligen) vereinen wird. Wir drei zwischen zweihundert 15 jährigen Teenies, deren Klamotten fünf Nummern zu groß sind, die in der Halle rauchen und alle nicht dem Klischee des blonden Dänens entsprechen. „Freske? Freske?“. „En-to-en-to!“ „Nørrebro!“ (ach, dieser Nachmittag verdient einen eigenen Eintrag, wenn Martin einen schreibt verlink ich ihn!)
Ich bin nach einem lustigen Abend im „Gefährlich“ mit Nathalie nachts um drei alleine durch Nørrebro gelatscht, da keine Busse mehr fuhren. Ja, wir hatten Angst erschossen zu werden ;-)
Dann war da noch die Halloween-Party. Eine einfach coole Party mit tollen Kostümen und wieder neuen lustigen Leuten (einem Architekturstudenten aus Südafrika, einem jungen Paar aus Frankreich und einer Norwegerin, die nur so zu Besuch war). Ja, ich glaube das ist der Punkt der mir am meißten gefällt. Ich lerne immer wieder Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennen. Letzte Woche hat ein Ungare in unserem Wohnzimmer gehaust. Keiner kannte ihn, aber er war wohl mal Freiwilliger.
Hm… was fehlt noch. So einiges. Es wird gedroht, unsere Küche auf Grund der unhygienischen Bedingungen zu schließen, die Haare in der Dusche können bald laufen, der Kalk wächst aus den Wasserhähnen heraus, meine Türklinke fällt andauernd ab, aber ich habe nach über zwei Monaten endlich einen Spiegel in meinem Zimmer.
Und: ich habe am Montag mit der Sprachschule angefangen. Bis auf das mein Lehrer aussieht wie Herr Wieprecht ist es ganz cool.
So und jetzt genug von alledem. Ich freu mich von euch zu hören!

Dienstag, 6. Oktober 2009

Das Automatenland

Bezahlt man in Dänemark bei einem Kassierer ist das fast schon ein Wunder. Naja…so stimmt es nicht ganz. Aber ob bei IKEA oder Netto, es gibt neben einer Kasse mit Kassierer- (der Kassier nimmt einem übrigens nur die Scheine ab, das Kleingeld wird in einen Automaten gesteckt) genügend andere Kassen ohne. Hier muss man seine Sachen selber scannen und bezahlt dann per Karte. Das ist ja soweit ganz gut.
Was aber, wenn ich eine Briefmarke kaufen möchte und nicht weiß wie schwer mein Brief ist? Ich stiefelte also eines Samstages zur Post um die weiteren Schritte zu erfahren. Doch fand ich nur einen großen Automaten vor. Was der von mir wollte wusste ich nicht und was ich von ihm wollte wusste er nicht. Tja, und so standen wir zwei da und guckten uns hilflos an. Da war der Føtex mal wieder meine letzte Rettung. Und so stiefelte ich in den unteren Bereich dieses monströsen Ladens und erklärte der freundlichen Verkäuferin meine scheinbar aussichtslose Lage. Kein Problem für Føtex. Briefmarken gibt es natürlich zu kaufen (was kann man in einem Føtex auch nicht kaufen?) nur das Gewicht sei ja nicht klar. Ich stampfte also durch den gesamten Laden und fand mich in der Obst und Gemüseabteilung wieder. Mein Brief ab auf die Wage und dann schnell wieder runter. Gar nicht so schwer eigentlich. Und ich war froh, dass ich die Briefmarke bei einem Menschen kaufen konnte. Der Automat hätte mir den Weg zu den Bananen sicher nicht erklären können!