Mittwoch, 9. September 2009

Verahus-mein erster Tag

mein erster tag war...naja...
ich kam an und musste ziemlich lange warten bis jemand kam (ok ich war auch zu früh...) Bin dann in eine ebene geschickt worden. Da musste ich wieder warten, bis ein netter Mittdreißiger kam. in der zeit in der ich gewartet hab haben drei Bewohner gefrühstückt – bzw. es versucht. bei Zweien klappte es (wenn ihnen das Essen gereicht wurde relativ gut) beim Dritten flog nach 2 Minuten das ganze Frühstück über den Tisch. Er hatte sich verschluckt. Da mir morgens ja sowieso nicht so wohl ist, hatte ich mit dieser "Kotzattacke" schon zu kämpfen. Aber gut.
Ich bin dann mit dem netten Mittdreißigjährigen eine Bewohnerin wecken gegangen. Sie lag nur fast nackt in ihrem bett und hatte eine extreme Spastik im gesamten Oberkörper. Während sie mit einem Gerät aus dem bett gehoben und dann ausgezogen wurde stand ich „einfach“ daneben und wusste nicht wohin mit mir. Auch als sie geduscht, gewaschen, angezogen etc wurde, wusste ich nicht was ich machen soll, wo ich stehen soll, wohin ich gucken soll.
Ist es ihr recht, dass ich sie nackt sehe, obwohl ich ihr vor 5 Minuten das erste Mal begegnet bin?- diese Frage schwirrte in meinem Kopf und lies keinen Platz für anderes.
Da die Bewohnerin nicht sprechen kann, wurden Zeichen für ja/nein abgemacht. So ist es möglich mit ihr zu kommunizieren. Nicht ganz so einfach zu verstehen…Da ihre Zeichen nicht immer so eindeutig sind. In den Aufenthaltsraum konnte sie alleine kommen, da sie sich mit ihren Füßen vom Boden abgestoßen hat- clever.
Das Verahus besteht aus 4 Stockwerken. Ich „arbeite“ im obersten. In jeder Etage leben 10 Bewohner, die mehr oder weniger beeinträchtigt sind. Manche brauchen bei allen Dingen hilfe, andere bleiben immer im Bett und wieder andere kommen fast alleine klar.
Der erste Tag war schon heftig!
Der Begriff behindert ist eben weit dehnbar…und damit muss ich wohl erstmal klar kommen. Es ist nicht das gleiche sich vorzustellen einen erwachsenen Mann in Windeln zu sehen - und ihn dann wirklich zu sehen. Die Frage ob er sich schämt oder nicht, die körperliche Arbeit, der Geruch…
Ich verdaue jetzt erstmal :-)

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