Puh hå, wie der Däne zu sagen pflegt.
Gerade bin ich von meiner ersten und wahrscheinlich auch letzten Wahl in Dänemark zurückgekehrt. Was für ein Erlebnis. Nachdem die große Mehrheit der Freiwilligen es nicht für nötig hielt wählen zu gehen („ich kenn die Leute nicht“, „in Ungarn haben wir ganz andere Parteien“, „besser Keinen wählen als den Falschen“…), bin ich mit Kamilla, der einzigen Dänin im Haus zum Rådhus gefahren.
Tja, und dann ging alles ganz schnell. Ich musste meine Wahlkarte abgeben, die schwierige Frage, ob ich Wiebeke Schümann sei (ich hab dann nicht weiter diskutiert- war das jetzt Wahlbetrug?) beantworten und dann bekam ich auch schon meine zwei riesigen Stimmzettel. Es handelt sich bei dieser Wahl um eine Kommunal und eine Regionalwahl, ich bekomme also einen gelben halben Meter langen Zettel und ein ähnliches Exemplar in weiß. Nachdem eine der Wahlboxen frei geworden ist, bin ich so gleich zur Tat geschritten. Gar nicht so einfach, denn die Dänen haben keine Felder in die man sein Kreuz setzt, man setzt es einfach so irgendwo hinter den Namen oder die Partei. Aber was kommt dann? Ich verlasse meine Wahlkabine mit den gefühlten fünfeinhalb Quadratmetern Papier, die Versuche sie in der Kabine zu falten waren zwecklos. Es fehlte der Platz. Die Tapeten werden also nun in eine der Pappboxen, die mit Panzertape zusammen geklebt worden sind, gestopft.
Wählen ohne Personalausweis…
Die Stimmzettel in zu groß gewordene Schuhkartons, die mit Tape zugeklebt worden sind stecken…
Hoffentlich geht das gut.
Ach…was ich vielleicht noch erwähnen sollte. Wer in Dänemark zum Beispiel die Venstre (=links) Parti wählt, unterstützt eine rechtsliberale Partei. Also die Namen sind hier nicht unbedingt Programm.
Die eigenständige Kommune Frederiksberg in der ich wohne wird übrigens seit fast hundert Jahren von den Konservativen regiert (wie meine dänische Mitbewohnerin mir noch mitteilte). Ich hab lieber noch mal auf die „Wahlurne“ geklopft, vielleicht kam vor mir nur noch nie jemand auf die Idee. Es klang etwas dumpf…
Nun gut. Ich werde mich jetzt weiter freuen. Wahlen lösen immer ein so schönes Gefühl bei mir aus. Teilhabe am politischen Leben, das Gefühl wirklich etwas entscheiden/verändern/wählen zu können. Ja ich weiß es ist sehr idealistisch und illusorisch, aber last mir doch die Freude. Und wenn diese Wahl mir nur eine Stunde Freude und eine einmalige Erfahrung beschert hat- ist das nichts?
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