Nachdem ich fast einen Monat nichts geschrieben habe [woran mich einige mehr oder weniger freundlich erinnert haben ;-) ], kommt jetzt eine Zusammenfassung aus den vergangenen vier Wochen.
Ich hatte meinen ersten Urlaub, den ich in Praesto verbracht habe. Ein wunderschönes Ferienhaus mit Mama, Papa, Nane, Sven und einer herrlichen Sauna. Es war wirklich schön euch alle mal wieder zu sehen. Mir haben die Kabbeleien um das abendliche Fernsehprogramm gefehlt. Was für eine Sensation, wo ja im Ferienhaus auch die Privatsender dazugekommen sind ;-) Der Strand direkt vor der Tür, schöne Spaziergänge, Kreidefelsen, Bücher, gutes Essen (nicht, dass mein Essen nicht gut ist, aber eben nicht so gut) - was braucht man mehr?
Nach diesem schönen Kurztrip kam dann endlich Benny! Und als die vorhin genannte Truppe mich dann in meinem Zimmer in Kopenhagen besuchte, war mein Glück perfekt. Die Gestaltung des Tages war jedoch etwas schwieriger. Wollte die eine Gruppe gleich die Stroget stürmen, schleppte Papa uns ganz geschickt zu allen Sehenswürdigkeiten, die die Stadt zu bieten hat. „Liegt ja fast auf dem Weg!“. „Das muss man gesehen haben!“. „Wo wir schon mal hier sind!“. „Also ich geh da jetzt rein!“. Aber ich muss zugeben, jeder Meter Fußmarsch hat sich gelohnt. Ein rundum gelungener Tag.
Aber kein Besuch bleibt ewig. Und so begann ich mich wieder alleine in meinen vier Wänden zurechtzufinden.
Mein bisher eigentlich größtes Problem: die Kälte! Darüber, dass ich mich noch den ganzen November auf meinem Fahrrad (ohne Gangschaltung, aber zum Glück wieder mit Bremsen) zur Arbeit quälen muss, beschwere ich mich gar nicht. Gut, es ist nicht schön klitschnass zur Arbeit zu kommen. Ach und dieser Moment, indem man sich auf den nassen Fahrradsattel setzt…Naja ich denke der ist allen bekannt. Aber wenn ich dann nach all den Strapazen von einem langen Arbeitstag „nach Hause“ komme, ist mein Zimmer kalt. Nein, es ist nicht kalt, es ist sau kalt, schweine kalt! Die Miniheizung in meinem Zimmer läuft den ganzen Tag, sie versucht sicher ihr bestes. Aber selbst auf höchster Stufe ist das Zimmer nach der Arbeit kalt. Tja und mein Zimmer ist im Gegensatz zu dem Duschraum, der Toilette und dem Flur eine Sauna. Die Fenster, die sich in diesen Räumen überhaupt schließen lassen, sind beschädigt und einwandig. Sie schließen selbstverständlich auch nicht komplett. Zumindest haben wir immer frische Luft. Also, der Winter kann kommen. Ich fürchte mich vor keiner Gefahr des Großstadtlebens, da ich, wenn, sowieso an einem Kältetod sterben werde.
Kommen wir nun zu Problem zwei: der Dunkelheit. Wenn ich zur Arbeit fahre ist es dunkel und wenn ich wiederkomme ist es fast dunkel. Also werde ich mich die nächsten Monate mit meiner Zimmerlampe begnügen. Meine dänische Mitbewohnerin hat sich eine elektrische Sonne für jede Menge Kronen gekauft. Kluges Mädchen, sie wusste was kommt. Jetzt denkt ihr vielleicht, dass Kopenhagen nicht der Nordpol ist und Flensburg nicht der Äquator, stimmt! Aber es ist eben etwas anderes, wenn man alleine in seinem kalten und dunklen Zimmer sitzt…
Bitte stellt euch jetzt nicht vor ich säße den ganzen Tag in meinem Zimmer. Ich wohne immerhin mit 10 anderen Freiwilligen auf einem Flur. Aber irgendwie kriechen die erst gegen Abend aus ihren Zimmern und man trifft sich in der für uns alle viel zu kleinen Küche.
Was war so los, neben den Skinergade-Abenden…
Vorletztes Wochenende war ich auf einem Rap-Contest. Es wurden die Rapkings gesucht. Ein Erlebnis, was mich für immer mit Martin und Simon (dem neuen französichen Freiwilligen) vereinen wird. Wir drei zwischen zweihundert 15 jährigen Teenies, deren Klamotten fünf Nummern zu groß sind, die in der Halle rauchen und alle nicht dem Klischee des blonden Dänens entsprechen. „Freske? Freske?“. „En-to-en-to!“ „Nørrebro!“ (ach, dieser Nachmittag verdient einen eigenen Eintrag, wenn Martin einen schreibt verlink ich ihn!)
Ich bin nach einem lustigen Abend im „Gefährlich“ mit Nathalie nachts um drei alleine durch Nørrebro gelatscht, da keine Busse mehr fuhren. Ja, wir hatten Angst erschossen zu werden ;-)
Dann war da noch die Halloween-Party. Eine einfach coole Party mit tollen Kostümen und wieder neuen lustigen Leuten (einem Architekturstudenten aus Südafrika, einem jungen Paar aus Frankreich und einer Norwegerin, die nur so zu Besuch war). Ja, ich glaube das ist der Punkt der mir am meißten gefällt. Ich lerne immer wieder Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennen. Letzte Woche hat ein Ungare in unserem Wohnzimmer gehaust. Keiner kannte ihn, aber er war wohl mal Freiwilliger.
Hm… was fehlt noch. So einiges. Es wird gedroht, unsere Küche auf Grund der unhygienischen Bedingungen zu schließen, die Haare in der Dusche können bald laufen, der Kalk wächst aus den Wasserhähnen heraus, meine Türklinke fällt andauernd ab, aber ich habe nach über zwei Monaten endlich einen Spiegel in meinem Zimmer.
Und: ich habe am Montag mit der Sprachschule angefangen. Bis auf das mein Lehrer aussieht wie Herr Wieprecht ist es ganz cool.
So und jetzt genug von alledem. Ich freu mich von euch zu hören!
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